Dance 2019   »Crowd« – Gisèle Vienne Estelle Hanania

Dance 2019
»Crowd« – Gisèle Vienne


| Carl-Orff-Saal/Carl Orff Hall

€ 30,–; erm. € 15,–

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Theatre & Dance – Dance
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Der Beat pulst. Die Nacht ist lang. Eine Person im Hoody kreuzt die Fläche. Leere Chipstüten und Bierflaschen liegen im erdigen Dreck. Eine Brache, wie sie eine jener leeren Hallen im Berlin der frühen 1990er Jahre umgab, als die Choreografin selbst in der Hauptstadt lebte und Teil der Raver-Szene war. »Crowd« (»Menge«) ist eine Hommage an Jugend, Ekstase und Tanzrausch der Techno-Kultur. Gisèle Vienne inszeniert fünfzehn junge Leute auf berückend abgründige Weise zu Musik von Underground Resistance, Jeff Mills oder Vapour Space. Nähe, Sex, Zurückweisung, Gewalt, Einsamkeit, Sehnsucht, Ernüchterung. 15 Geschichte ohne Worte entspinnen sich, brechen wieder ab, fangen neu an. Von der französisch-österreichischen Künstlerin bildgewaltig erzählt in zeitlupenhafter, hochverdichteter Bewegung.

Für »Crowd« arbeitete Gisèle Vienne mit ihrem bewährten Team zusammen. Die Dramaturgie stammt von ihr und dem US-amerikanischen Autor Dennis Cooper, dessen Texte das Verhältnis zwischen brutaler Logik und grenzenloser Begierde, realer Tat und Gedankenspiel, Sex und Gewalt kühl durchdeklinieren. Stücken wie »I Apologize« (2004), »Kindertotenlieder« (2007), »Jerk« (2008) und »This is how you will disappear« (2010) geben sie den untergründigen Ton und unverwechselbaren verbalen Sound. In »Crowd« (2017) jedoch ist kaum ein Wort zu hören. Die Geschichten funktionieren über die Bild- und Bewegungssprache. Und über die Musik, die Peter Rehberg ediert hat und die im Wesentlichen in der ersten Hälfte der 1990er Jahre produziert wurde: ein Soundtrack aus Underground Resistance, Sun Electric, Global Communication und anderen – allerdings nicht in typischer Techno-Linearität, sondern atmosphärisch modelliert.

Wie frühere Stücke verfügt auch »Crowd« über eine mythische Dimension und ritualhafte Züge. Nicht umsonst ist der Boden erdbedeckt, ähnlich wie in Pina Bauschs »Le sacre du printemps«. Der Rave als Ritual, die Clubnacht als mythisches Ereignis. Die stundenlange Tanzekstase als transgressives Geschehen. Die spezifische Energie solcher Events wurde gerade in der Choreografie vielfach beschworen. Die 1976 geborene Künstlerin setzt extreme Verlangsamung, Freeze-Positionen, Zeitlupe gegen den pulstreibenden Rhythmus. Fast fotografisch oder filmisch zoomt sie auf einzelne Gestalten, hebt sie aus der »Menge«, in der sie dann wieder verschwinden.

Dauer: 100 Min.

Artist Talk am 23. Mai

Konzeption, Choreografie, Szenografie: Gisèle Vienne
Assistenz: Anja Röttgerkamp und Nuria Guiu Sagarra
Musikauswahl von Underground Resistance, KTL, Vapour Space, DJ Rolando, Drexciya, The Martian, Choice, Jeff Mills, Peter Rehberg, Manuel Göttsching, Sun Electric und Global Communication
Musikzusammenstellung: Peter Rehberg
Sound Diffusion Supervisor: Stephen O’Malley
Toningenieur: Adrien Michel
Licht: Patrick Riou
Dramaturgie: Gisèle Vienne und Denis Cooper
Performer/innen: Philip Berlin, Marine Chesnais, Kerstin Daley-Baradel, Sylvain Decloitre, Sophie Demeyer, Vincent Dupuy, Massimo Fusco, Rémi Hollant, Oskar Landström, Theo Livesey, Louise Perming, Katia Petrowick, Jonathan Schatz, Henrietta Wallberg und Tyra Wigg
Kostüme: Gisèle Vienne in collaboration with Camille Queval and the performers
Technischer Manager: Richard Pierre
Bühnenmeister: Antoine Hordé
Lichtmanager: Arnaud Lavisse
Dank an: Margret Sara Guðjónsdóttir and Louise Bentkowski
Produktion and Booking: Alma Office, Anne-Lise Gobin, Alix Sarrade & Camille Queval // Administration Etienne Hunsinger
Produzent: DACM
Koproduzenten: Nanterre-Amandiers, centre dramatique national / Maillon, Théâtre de Strasbourg – Scène européenne / Wiener Festwochen / manège, scène nationale – reims / Théâtre national de Bretagne, direction Arthur Nauzyciel / Centre
Dramatique National Orléans/Loiret/Centre / La Filature, Scène nationale – Mulhouse / BIT Teatergarasjen, Bergen.

Gisèle Vienne ist assoziierte Künstlerin in Nanterre-Amandiers CDN und Théâtre National de Bretagne / Rennes – Direction Arthur Nauzyciel.

Mit Unterstützung des CCN2 – Centre Chorégraphique national de Grenoble / CND Centre national de la danse, dem Ministère de la culture et de la communication – DRAC Grand Est, la Région Grand Est et la Ville de Strasbourg und des Institut Français – Ministère des affaires étrangères (KR)